Thematische Aspekte

MIT MUT in die Zukunft

Liest man die Lehrlingsstatistik Österreichs, so wählen fast 50% der weiblichen Auszubildenden eine Lehre in den Top 3: Einzelhandel, Bürokauffrau oder Frisörin/Stylistin. MIT-MUT möchte neue Perspektiven jenseits dieser Top 3 aufzeigen und Einblicke in spannende und zukunftsweisende Berufsfelder geben, die durch den Siegeszug mobiler Geräte wie Smartphones und Tablets, aber auch durch die zunehmende digitale Steuerung von Alltagsgegenständen entstanden sind.

MIT-MUT widmet sich spezifisch Schülerinnen im Alter von 13-14 Jahren, die vor der Entscheidung stehen, welche weiterführende Schule sie besuchen möchten. Im Rahmen des Projekts werden die Schülerinnen mit Berufsbereichen bekannt gemacht, die traditionell weniger im Fokus ihrer Karrierewahl stehen, insbesondere Aufgaben in der IT und im Unternehmerinnentum. MIT-MUT möchte Schülerinnen Einblicke in diese Bereiche gewähren, Mädchen dabei unterstützen, ihre Kompetenzen für diese Bereiche zu entdecken und durch die Interaktion mit Berufsvorbildern aus diesem Bereich die Entscheidungsgrundlage für die Wahl einer weiterführenden Schule zu verbessern.

Neue Wege entdecken!

Betrachtet man Jugendliche an ihren mobilen Geräten, kann man sehen, mit welcher Lust und Permanenz Schülerinnen und Schüler mit diesen und über diese mit anderen interagieren. Betrachtet man hingegen die Stätten, die für die Gestaltung von Geräten, Anwendungen und Inhalten verantwortlich sind, bleiben oft nur noch Burschen übrig, die sich dafür interessieren. Daran zeigt sich, dass der Funke noch nicht übergesprungen ist.

Ein Grund für diese Zurückhaltung der Schülerinnen sind oft noch traditionelle Rollenbilder der Frau oder stereotype Zuschreibungen ihrer eigenen Fähigkeiten. Solche Bilder sind erlernt und verwehren Mädchen die Möglichkeit sich auszuprobieren und Erfahrungen zu sammeln. Dies ist in doppelter Hinsicht schade: Zum einen schließen sich dadurch Schülerinnen von interessanten, innovativen und gut bezahlten Berufsfeldern aus und zum anderen fehlt das Innovationspotential dieser Schülerinnen auch der volkswirtschaftlichen Entwicklung Österreichs.
MIT-MUT möchte den Schülerinnen die Gelegenheit geben, über die Top 3 der traditionellen „Mädchenberufe“ hinauszusehen und für sich neue Wege in den Beruf zu entdecken.

Mädchensache!

Die Biologie macht es uns einfach, äußerlich zwischen Mädchen und Burschen zu unterscheiden. Beim Heranwachsen orientieren sich die Kinder und Jugendlichen auf Grund ihres Geschlechts meist an Vorbildern des gleichen Geschlechts. Damit erlernen sie Verhaltensweisen, die in ihrer Umgebung mit einem bestimmten Geschlecht assoziiert sind. Der Begriff Gender wird für solche Zuschreibungen verwendet. Diese Zuschreibungen äußern sich etwa darin, dass Naturwissenschaften und Technik in Österreich als typisch männliche Domäne angesehen werden, als „nichts für Mädchen“.

Dies spiegelt sich auch in den PISA-Ergebnissen wider: Hier hatten 2012 die Burschen in Österreich bezüglich der Leistungen nur einen leichten (aber nicht signifikanten) Vorsprung. Wo sich Mädchen und Burschen jedoch deutlich unterscheiden, ist das Selbstbewusstsein: Mädchen in Österreich haben ein deutlich niedrigeres Selbstkonzept in diesem Bereich und schätzen sich als deutlich unbegabter ein als Burschen. Solche Selbsteinschätzungen sind erlernt, denn betrachtet man die Länder des früheren Ostblocks oder die arabischen Länder, so sieht man, dass sich dort die Verhältnisse umgekehrt haben: Hier sind die Ergebnisse der Mädchen zum Teil deutlich besser als die der Jungen. Dort sind diese Fächer Mädchensache.

Vielfältige Karrierewege

MIT-MUT ist kein Traineeprogramm für IT-Berufe und kann es auch gar nicht sein. Betrachtet man Einflussfaktoren auf die Berufswahl, so gibt es verschiedene Aspekte die auf die Entscheidung sehr unterschiedliche Auswirkungen haben, etwa persönliche Interessen, Anreize und Motive, Werte, familiäre und finanzielle Rahmenbedingungen und vieles mehr. In diesem Kontext wägt das Individuum ab und trifft die für sich passendste Wahl. Karrieren in den IT-Berufen werden in Österreich eher selten von Frauen eingeschlagen: Weil sie in Österreich als traditionelle Männerberufe gelten, weil sich Schülerinnen in Österreich nicht für gut genug halten, einen solchen Karriereweg einzuschlagen, weil sie deswegen keine Motivation haben in diesen Bereichen Kompetenzen zu entwickeln und Erfahrungen zu machen und weil weibliche Vorbilder in diesen Bereichen fehlen.
MIT-MUT möchte hier eine Tür aufmachen, Schülerinnen mit Vorbildern bekannt machen und die vielfältigen Karrierewege in diesen Berufen aufzeigen.

Zukunft erleben

MIT-MUT möchte Schülerinnen die Gelegenheit geben, ihre eigenen Fähigkeiten zu erproben und Vertrauen in ihre Kompetenzen, gerade in den Bereichen IT und Unternehmerinnentum, zu gewinnen. Die Schülerinnen schlüpfen dazu in ein Rollenspiel und agieren als ein kreatives Team in einem innovativen Start-up-Unternehmen. Dabei gilt es, eigene Ideen einzubringen und Wünsche zu verwirklichen, um am Ende ein Konzept für die eigene Wunsch-App zu präsentieren. Es steht nicht die Programmierung im Vordergrund, sondern die Konzeption und das Ausarbeiten der gemeinsamen Idee, um ein bisschen die Zukunft zu schnuppern. Kreative Köpfe sind gefragt, die Ideen und Lust haben, ihre Vorstellungen von der Zukunft umzusetzen.

Das Spielenetzwerk bietet dabei eine sichere, kindgerechte Lernumgebung, in der sich die Teams austauschen, ihre Ergebnisse präsentieren, nachsehen können, was die anderen gemacht haben und Expertinnen kennen lernen können, die in solchen Berufen arbeiten. Ergänzt wird das Rollenspiel durch 4 Mini-Challenges, die mit Metaphern die Herausforderungen einer solchen Berufswelt aufgreifen, etwa knifflige Rätsel zu lösen, eine Balance zu finden, die eigene Umgebung zu schützen und strategische Entscheidungen zu treffen. Innovation ist Mädchensache und die Zukunft mitzugestalten erst recht!

Nur für Mädchen

MIT-MUT richtet sich spezifisch an Mädchen. Durch die Interaktionen im Unterricht mit den Burschen oder auch im Familienkreis gewinnen Schülerinnen oft den Eindruck, weniger begabt für IT und Unternehmerinnentum zu sein, gerade wenn sich im Klassenverband die Burschen als besonders kompetent im Umgang mit Computern darstellen. Dies hat zur Folge, dass sich die stereotypen Rollenbilder verstärken und die Motivation, sich überhaupt mit Berufen außerhalb der traditionellen Schullaufbahnen zu beschäftigen, sinkt.

Hier setzt MIT-MUT an, indem es den geschützten Rahmen eines Mädchenprojekts bietet, der eben frei von geschlechtsspezifischen Kompetenzzuschreibungen ist. Die Schülerinnen sollen in diesem Rahmen erleben können, dass sie im Kontext IT und Unternehmerinnentum exzellente Ergebnisse erreichen können.